Jeroen Jacobs   
Lotto, 2005, concrete, 61 x 50 x 28 cm

Born 1968 in Helmond (The Netherlands)
Lives and works in Berlin (Germany)

Sie wirken wie deformierte Modelle von Nachkriegsmonumenten, wie man sie in Fußgängerzonen und auf Verkehrsinseln der alten Bundesrepublik findet. Doch im Gegensatz zur groben Wuchtigkeit etwa von Wolf Vostells eingemauertem Cadillac am Berliner Kurfürstendamm ist der Beton in den Skulpturen von Jeroen Jacobs das Resultat eines leidenschaftlichen Spielers.

Die Gussformen, die der Jacobs aus Plastikfolien zusammensetzt, dienen offenbar allein dazu, die zähe Masse zum Eigenleben aufzufordern. Was daraus erwächst, sind verblüffend elegante Gebilde, die sich aus einem groben Rumpf herauswinden und mit fast gekünstelten Gesten in den Raum hinein deuten. Die verführerisch glatte Außenhaut platzt an einigen Stellen auf und lässt das poröse Material darunter wie rohes Fleisch hervorquellen. Doch der Bewegungsdrang findet bricht abrupt ab, sobald die Masse fest wird. Und damit haftet den Skulpturen etwas Melancholisches an, wie es stillstehende Momente nun einmal mit sich bringen. Auf Sockeln oder direkt auf dem Fußboden präsentiert, mal im Handtaschenformat, mal gestreckt bis knapp unter die Deckenlampe, wirken sie wie ein monumentales, beinahe unheimliches Ensemble aus in Baumasse festsitzenden Arbeitsutensilien, zerbrochenen Architekturmodellen und Überresten eines Vulkanausbruchs. Und obwohl der Mensch nicht auftaucht, sitzt sein geisterhafter Firnis auf den Oberflächen: Jacobs zeigt, dass Beton nicht nur verspielt, sondern auch durchaus sinnlich daherkommen kann.