Sabine Hornig   
o.T. II (ED 6+2 AP), 2005, c-print, behind plexiglass, aluminium frame, 142 x 235 x 4 / 126 x 235 x 4 cm

Born 1964 in Pforzheim (Germany)
Lives and works in Berlin (Germany)

In Sabine Hornigs Skulpturen und Fotografien geht es um Zwischenräume. Innen und Außen, privater und öffentlicher Raum, Architektur und Skulptur – ihr Blick richtet sich auf funktionalistische Bauten und Gebäudedetails, die ein „Dazwischen“ markieren: Fenster, Türen, Eingangshallen.

Ihre großformatigen, geometrisch-kühlen Fotografien zeigen Schaufenster von unbewohnten, renovierungsbedürftigen Räumen, oftmals in Ostberlin. Einfache und doppelstöckige Fensterfronten lassen in leere Lobbys, Treppenhäuser oder Flure blicken – und umgekehrt: Der Blick geht von einem unbestimmten Innenraum durchs Fenster hinaus. Oft ist nicht klar, an welchem Punkt sich Innen und Außen konkret festmachen lassen – Spiegelungen von Bäumen oder Fensterrahmen in den Scheiben irritieren das Auge ebenso wie Fingerabdrücke oder Schmutz auf den Scheiben. Der dokumentarische Charakter der Fotografien wird durch solche Störungen bewusst konterkariert.

Hornigs Skulpturen wirken wie Bauteile, die sie ihren Fotografien entnommen hat: Fensterfronten oder Zwischendecken – banale, rein funktionale Architekturelemente – befinden sich plötzlich ihrer Nützlichkeit beraubt und werden eigenartig isoliert mitten im Raum, oder besser: im Innenraum platziert, der Teil des Kunstwerks wird. Fensterrahmen scheinen hier die Funktion von Bilderrahmen zu übernehmen, das Fenster selbst wird zum Bild, zum Spiegel, zur Wand. Durch die Verschiebung der Sichtebenen, das Spiel mit den Reflexionen und die Würdigung einfachster Architekturteile der Moderne schärft Hornig den Blick für die simpelste Umgebung unseres Alltags, der vom modernistischen Diktum „form follows function“ geprägt und dadurch unsichtbar geworden ist.